Nachdem Sophies Lehrerin bei Sophie eine „leichte LRS" diagnostiziert hat, hat sich mein Gefühl bestätigt, dass da was nicht stimmt. Sophie tut sich mit der Rechtschreibung schwer: Immer wieder schreibt sie Wörter falsch, die sie eigentlich nicht mehr falsch schreiben sollte, trotz der Rechtschreibregeln, trotz des Übens, trotz des LRS-Kurses, und das bei ihrem Ehrgeiz! Mir als Mutter tut es weh, wenn ich sehe, wie ihr das zu schaffen macht. Sie sagt es zwar nicht, aber ich spüre es.
Von unserer Ärztin, die schon viele gute Tipps hatte, erhalten wir den Rat, einen Lerntrainer aufzusuchen, der mit einer neuen Methode arbeitet. Ich möchte hier mehr von meiner Tochter und mir berichten als von der Methode.
Unsere erste Schnupperstunde ist vorab schon spannend: Sophie weiß nur soviel, dass wir zu einem Mann fahren, der helfen kann, leichter zu lernen. Sie ist schon sehr gespannt. Ich auch! Dann geht es los. Der Lerntrainer, er ist ein freundlicher, älterer Herr, und Sophie sitzen einander am Tisch gegenüber, ich im Hintergrund, so, dass Sophie mich nicht direkt im Blickfeld hat. Er erklärt die Regeln, nach denen das Gespräch ablaufen wird. Unter anderem soll ich als begleitende Mama mein Kind selbst reden lassen - Gott sei Dank sitze ich weiter hinten! So fällt es mir leichter, meinen Mund zu halten - denn Sophie kann wunderbar auch selbst reden. Das ist ein sehr schönes Erlebnis, bin ich es doch gewohnt, oft für sie zu reden... Sophie macht alle Übungen tadellos mit, auch solche, bei denen ich skeptisch bin, solange ich nicht erkennen kann, wozu sie dienen. Ich bin begeistert, wie gut und locker sie mitarbeitet.
Der Lerntrainer erklärt schließlich die Methode und alles andere ausführlich, auch alle Übungen, so dass ich von dem Sinn überzeugt und beruhigt bin.
Noch nach der Schnupperstunde bin ich völlig fasziniert von der Methode und von der Art und Weise, wie der Lerntrainer sie umsetzte. Besonders beeindruckt bin ich von meiner Tochter, wie gut sie sich gehalten hat, und natürlich auch stolz auf sie. Auf dem Heimweg ist sie supergut drauf, wie beflügelt. Zuhause erzählt sie ganz stolz, wie es war. Dieses positive Erlebnis strahlt förmlich aus ihr raus. Auch mir geht es richtig gut, und ich bin froh, dass Sophie mit dem Training weitermachen möchte.
Das zweite Treffen startet mit einer kurzen Wiederholung. Ich bin ich überrascht, wie schnell Sophie die neue Methode angenommen hat. Es geht letztlich darum, von mehreren, im Gehirn als 'Bilder' gespeicherten Wörtern das „dudengerechte" zu festigen, die anderen Schreibweisen dauerhaft zu entfernen. Einige fehlgeschriebene Wörter sind zwar zunächst hartnäckig und widersetzen sich den anstehenden Korrekturen. Mit Hilfe von kleinen ‚Helfern', die sie sich innerlich anschafft, klappt es immer besser. Jetzt räumen an Sophies Stelle die kleinen Helfer auf, auf ihre recht phantasievolle Art. Ich finde das etwas merkwürdig, da ich das, was bei Sophie geschieht, nicht selbst sehen kann, aber bei Sophie funktioniert es. Die Hauptsache ist wohl, dass am Schluss das „richtige" Wort stehen bleibt.
Mittlerweile habe auch ich vom Dabeisein profitiert: Ich bin überrascht, wie deutlich meine eigenen Wortbilder vor meinem inneren Auge erscheinen. Sie waren seit meiner Schulzeit nicht so deutlich. Ich probiere das auch gleich mit meiner Freundin aus, wie sie die Wörter ‚Johnny', ‚kam', ‚ziemlich' u. a. innerlich wahrnimmt. Für sie ist das ganz normal, dass sie die Wörter ganz klar vor sich sieht!!
Nach dem dritten Treffen haben wir, ups nein, hat Sophie eine Hausaufgabe aufbekommen. Beim Lesen z. B. eines Buches soll sie Wörter, die ihr dabei begegnen und nicht eindeutig erscheinen, in ihrem Gedächtnis verbessern. Sophie hat Schwierigkeiten, das Lesen, das Verbessern von Wörtern und das Verstehen des Textes gleichzeitig zu bewältigen. Mir ergeht es übrigens auch so. Wir werden das beim nächsten Treffen nochmals besprechen und klären.
Die Wörter-Karteikarten aus der Lernbox, die sie schon angelegt hatte, arbeitet sie jetzt Schritt für Schritt nochmals durch. Damit kommt sie gut klar. Nur die ‚hartnäckigen' hebt sie sich für die nächste Trainingsstunde auf, um sie gemeinsam mit dem Lerntrainer respektvoll zu verabschieden, zur Reise in eine ‚neue Heimat', in der sie sich wohlfühlen und für immer bleiben.
Schließlich werden auch diese Schwierigkeiten gemeinsam behoben. Es freut mich besonders zu sehen, dass es Sophie - und ihren Eltern - mit dem Lernen nun um vieles besser geht.